Christiane Keller-Zimmermann

Diplom-Psychologin

Rhetorik Seminar "Kein Mäuschen sein"

Rhetorik Seminar16 Frauen aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben an einem Rhetorik-Seminar der Ebert-Stiftung zur Kommunikation zwischen Frau und Mann teilgenommen.

Schweinitz/MZ. 

Eine verflixte Sache diese Kommunikation zwischen Frau und Mann. „Sie“ fühlt sich häufig unverstanden und „er“ sich als Mann nicht akzeptiert. Deshalb „kracht“ es oft: in der Beziehung und im Beruf. Warum das so ist, lässt sich wissenschaftlich erklären. Die unterschiedliche Kommunikation von Frauen und Männern ist durch die Geschlechterrollen von Urzeiten her gesellschaftlich und biologisch geprägt. Sie wird aber auch durch Hormone gesteuert. Das kann man in Fachliteratur nachlesen.

Wie diese Kommunikation gelingen kann, lässt sich aber auch in einem Seminar ergründen. Diese Erfahrung machen jüngst 16 Frauen aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg, die sich zwei Tage im „Haus am Wald“ in Schweinitz mit dem Thema beschäftigen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Sachsen-Anhalt, unterbreitet dort das Angebot „Sprache und Macht – Rhetorik für Frauen, Teil I“.

Aus drei Generationen

Dozentin Christiane Keller-Zimmermann, Diplom-Psychologin aus Berlin, freut sich, dass Frauen aus drei Generationen die „Spielregeln“ der Kommunikation zwischen Mann und Frau besser kennenlernen wollen. Die jüngste Teilnehmerin ist 23 Jahre, die ältesten sind im Großmutter-Alter. Alle berichten von ähnlichen Erlebnissen: „Ich bin dann einfach nicht schlagfertig genug, um meinen männlichen Kollegen Paroli zu bieten“, sagt Martina. Elisabeth bekräftigt: „Oft bin ich sprachlos und kann gar nicht gegenhalten. Später ärgere ich mich und weiß genau, was ich hätte sagen können.“ Die anwesenden Frauen arbeiten als Bürofachkräfte, sind angestellt im sozialen Dienst von Kommunen, einige sind politisch aktiv. Auch eine Rechtsanwältin sitzt in der Runde, neben Freiberuflerinnen.

Christiane Keller-Zimmermann, die bereits seit 1994 als freiberufliche Trainerin für Unternehmen, kommunale Institutionen und Lehreinrichtungen arbeitet, macht klar, dass es nicht darum geht, männliche Kommunikation zu verteufeln: „Wir wollen angemessen darauf reagieren. Das können wir aber nur, wenn wir ihre Muster durchschauen.“

Also geht es zunächst um Grundsätzliches. Wie wird kommuniziert? Sowohl verbal als auch nonverbal. Bei der Sprache entscheiden hauptsächlich Lautstärke, Sprechtempo und Stimmlage über die Reaktion des Gegenübers. Doch auch der Körper „spricht“: mit der Mimik, der Gestik der Hände, mit der Haltung und dem räumlichen Abstand zum Gesprächspartner. Eine wichtige Rolle spielen Präsenz und gegenseitige Wertschätzung. Ebenso haben das Alter und sogar die Kleidung nach Meinung von Experten Einfluss darauf, wie und ob man sich versteht. Wichtige Schlussfolgerung: Wenn wir erkennen, wie wir wirken, lässt sich manches ändern.

Das wird gleich trainiert. Schon das Wörtchen „Nein“ in verschiedenen Körperhaltungen und Lautstärken zeigt, wie unterschiedlich die Wirkung ist. Das sorgt für mehr Selbstsicherheit. Die Dozentin bringt es auf den Punkt: „Wir wollen nicht arrogant sein, aber auch nicht als Mäuschen gelten.“ Die Frauen notieren: „Nein zur Sache, ja zur Person. Es gilt deutlich zu machen: Ich habe nichts gegen Dich/Sie persönlich, doch für diese Sache bin ich nicht zu haben.“

Sehr behutsam geht die Psychologin auf persönliche Erlebnisse der Teilnehmerinnen ein: Mann reißt gern einen schlechten Witz auf Kosten von Frauen – zumeist inmitten anderer Männer. Im Bekanntenkreis weiß „sie“ das vielleicht noch einzuordnen und „ihn“ zurechtzuweisen. Doch wenn Frau bewusst vorgeführt wird, sogar vor Kollegen, ist das grenzüberschreitend und geht gar nicht. Auch folgende Situationen zählen dazu: Der Chef lässt zynisch-bedauernd hören: „Ach, diese Aufgabe ist ohnehin für Sie kaum zu schaffen.“ Oder: „Blond! Ich hätte mir ja denken können, dass Sie das nicht in die Reihe kriegen.“

Wie darauf reagieren? – „Am besten mit Schlagfertigkeit“, bekundet die Dozentin. Mitunter reicht schon der Satz: „Sie sollten nicht von sich auf andere schließen.“ Die Psychologin versichert: „Schlagfertigkeitstechniken sind erlernbar.“ Kurz und knapp den Provokateur in die Schranken weisen, das erweist sich auch als gute Variante, machohaftem Gehabe eine Abfuhr zu erteilen – oder dem pubertierenden Sohn gegenüber bewusst „cool“ zu bleiben. Dabei spüren die Frauen, wie wichtig es ist, eigene negative Glaubenssätze zu ändern, weil sie blockieren. Beispiel: „Ich halte das nicht durch.“ – „Ich bin mit so was noch nie fertig geworden.“ Sie lernen: Verbale Angriffe gekonnt abwenden, heißt nicht, rumzubrüllen oder nur nett zu sein. Wer schreit, verliert sich, zeigt sich der Situation nicht mehr gewachsen. Und Nettigkeit zahlt sich in solchen Fällen nicht aus, macht eher klein. Diejenigen, die zu allem „Ja“ und „Amen“ sagen, sind selten beliebt. Wer es dagegen schafft, mit professioneller Freundlichkeit und in angemessener Schärfe seine Meinung kund zu tun, verschafft sich Respekt.

Christiane Keller-Zimmermann formuliert die Strategie: „Die Reaktionskette aus Wut, Ärger und innerer Blockade durchbrechen und damit die eigene Souveränität wieder herstellen.“

Gemeinsames Üben hilft

Allerdings liegt es wohl in der Natur der Männer, dass diese sich häufig klarer und prägnanter auszudrücken vermögen als Frauen. „Das stimmt, wir wollen zu viel erklären, uns noch entschuldigen und ewig begründen. Männer reagieren dann mit Recht ungeduldig“, lässt Lena wissen. Deshalb hilft es zu üben.

Als sich die Frauen verabschieden, haben alle mindestens ein bisher ungeahntes Kommunikations-Talent in sich entdeckt. Diese „Neuheit“ dient künftig gewiss nicht dazu, die Männer unterzubuttern. Die geänderte Haltung soll den Herren der Schöpfung – wenn notwendig – jedoch verdeutlichen, dass Frau eine Kommunikation auf gleicher Augenhöhe wünscht. „Die wenigsten werden als gute Rhetoriker geboren, doch wir können uns dazu entwickeln“, macht Christiane Keller-Zimmermann Mut.

Von gabi zahn
MAZ vom 04.04.2013