Christiane Keller-Zimmermann

Diplom-Psychologin

Das schwarze Telefon fragt:

anne kezi

Die Unterhaltungs-Helferin

Christiane Keller-Zimmermann ist Diplom-Psychologin und bietet seit über 15 Jahren professionelle Moderationen und Fortbildungen an. Ihre Kunden sind Verwaltungen, aber auch Konzerne wie die Dresdner Bank oder das Deutsche Nationaltheater. Sie ist vielleicht die „Anne Will des kleinen Mannes“ und verfolgt dennoch ein anderes Ziel als ihre berühmten KollegInnen.

schwarzes Telefon: Frau Keller-Zimmermann, Sie sind professionelle Moderationstrainerin. Warum brauchen Menschen, die sich unterhalten, einen Moderator?

Keller-Zimmermann: Menschen leben in sozialen Systemen. Es gibt ein bestimmtes Thema und wenn alle mit diskutieren wollen, dann muss es jemanden geben, der diesen Prozess strukturiert. Oft werde ich auch dazu gerufen, wenn es Konflikte oder Probleme gibt. Denn die Menschen, die Teil eines Systems sind, können nicht den Blick von außen haben. Es werden also Moderatoren gebraucht, die professionell den Blick von außen in die Gruppe richten.

schwarzes Telefon: Was ist das Ergebnis einer optimalen Moderation?

Keller-Zimmermann: Meistens geht es entweder um Entscheidungsfindung oder die Erhellung verschiedener Standpunkte. Ich denke, dass das Ergebnis dann gut ist, wenn der Moderator allen Beteiligten helfen konnte, in ihrer Auffassung klarer zu werden; also Standpunkte vergleichen zu können, mehr Sicherheit bei der Informationsbeschaffung zu gewinnen, um letztendlich eine Hilfe zur Entscheidung zu geben.

schwarzes Telefon: Also sind Moderatoren Selbstfinder für Gruppen?

Keller-Zimmermann: Selbstfinder eigentlich nicht. Der Moderator muss die Dynamik der Gruppe erkennen und sensibel dafür sein, wer was sagt und was das für die Gruppe bedeutet. Er muss Vielredner bremsen, Schweiger zum Reden bringen. Vielleicht ist er eher Begleiter, um das Potential der Gruppe sichtbar zu machen.

schwarzes Telefon: Wenn man die Bezeichnung Moderator hört, stellt man sich in erster Linie FernsehmoderatorInnen wie Anne Will oder Frank Plasberg vor. Haben Sie denselben Beruf?

Keller-Zimmermann: Also das sind natürlich die klassischen Moderatoren. Von denen kann man sich wirklich etwas abgucken. Mein Beruf ist jedoch noch ein wenig anders. Ich verknüpfe das Moderieren mit Wissensvermittlung. Ich vermittle Wissen und in der anschließenden Diskussion moderiere ich. Das reine „Moderieren“ ist jedoch – auf einer anderen Ebene – dasselbe.

schwarzes Telefon: Aber unterhalten sich die Teilnehmer einer Polit-Talk-Sendung eigentlich oder wird dort gemeinschaftlich eine Unterhaltung inszeniert?

Keller-Zimmermann: Ich glaube, dass gerade bei diesen Sendungen die Menschen bewusst so eingeladen werden, dass möglichst unterschiedliche Positionen präsentiert werden. Für mein Verständnis ist das oft zu plakativ. Sind wir ehrlich: Dort geht es um Einschaltquoten. Bei dieser Art der medialen Präsentation von Inhalten wird ein Mangel an Differenzierung eklatant deutlich. Dann werden immer noch Betroffene eingeladen und am Ende sind die Positionen so konträr, dass sie einfach nicht zusammenfinden können.

Das Interview führte Christian Büchter
IN:                                                                  

SOMMERAKADEMIE DER STUDIENFÖRDERUNG 
„Die Zeichen der Zeit“ -
Kommunikationsprozesse in Politik,
Wissenschaft und Gesellschaft, 22. – 29. August 2010